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You Don't Have To Move If It Ain't Got That Groove - D. Ellington
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   08/ 05/ 12 source: Jazz'n'More
  
Alessandro D’Episcopo – Stella crescente (interview)


Soeben ist auf dem Altrisuoni-Label die neue CD “Solare” des in der Schweiz lebenden italienischen Pianisten Alessandro d’Episcopo erschienen. Anlässlich seines Konzertes in der Widder Bar sprach er mit JAZZ’N’MORE über sein Leben als Musiker und Pädagoge in der Schweiz sowie sein Verhältnis zu Italien.

von Gino Ferlin

Das Konzert was restlos ausverkauft. Alessandro d’Episcopo und seine beiden Mitstreiter spielten neben älteren Titeln vor allem Songs seiner neuen, sehr empfehlenswerten CD “Solare”. Mit humorvollen Ansagen stellte er die neuen Stücke vor. D’Episcopo spielt sehr ausdrucksvoll und die Art, in der er phrasiert, macht aus jedem Stück ein neues Hörerlebnis, egal, ob es sich um einen hundertmal gehörten Standard handelt oder einen neueren Song aus seiner Feder. Er weiss, wie man mit Emotionen spielt und hatte schon nach dem Opener “Caravan” die Konzertbesucher auf seiner Seite. Hervorragend auch seine Band, perfekte, kreative Bass Lines Hämi Hämmerlis sowie das subtile, stets kraftvolle jedoch nie überbordende Drumming Elmar Freys (was noch nicht vielen Schlagzeugern in der akustisch anspruchsvollen Widder Bar gelungen ist) vervollständigten den Hörgenuss.

JNM: Auf deinen CDs findet man Lieder u.a. von Gino Paolo, Domenico Modugno, Fabrizio De André und neapolitanisches Liedergut, wie z.B. von Edoardo di Capua, welcher der Welt “O Sole mio” geschenkt hat. Du spielst einen anderen grossen Song von ihm, “I te vurria vasa”. Was bedeuten diese Lieder für dich und denkst du an Italien, wenn du aus deinem eigenen “Great Italien Songbook” spielst?
AdE: Nicht unbedingt an Italien, sondern in erster Linie an die Melodien, die ich als Kind immer wieder gehört habe. Sie wurden ein Teil von mir, sie “gehören jetzt mir”. Ich spiele sie wie einen Jazzstandard.

JNM: Paoli, Modugno und De André waren ja auch politisch sehr (links) engagiert. Inwiefern spielt Politik in deinem Leben und deiner Musik eine Rolle?
AdE: Als ich jung war, war ich links eingestellt. Heute bin ich eher auf der demokratischen Seite zu finden. Die Lider der genannten Cantautori gefallen mir, jedoch nicht die Politik.

JNM: Auch Duke Ellington und Monk scheinen dich beeinflusst zu haben. Inwiefern?
Ade: Harmonie, Dynamik, kompositorische Ideen und Freude am Experimentieren. Ellington bedeutet für mich Eleganz, Monk Schrägheit.

JNM: Mit deinen Mitmusikern Hämi Hämmerli und Elmar Frey pflegst du ein sehr homogenes und intimes Zusammenspiel, welches mich an die grossen Jazztrios erinnert. Deine Komposition “Her Song” oder der Klassiker “Caravan” auf deiner neuen CD sind gute Beispiele dafür. Wie erreicht man diesen hohen Level? Geht ihr auch mal zusammen eine Pizza essen oder ist es tatsächlich nur üben, üben, üben...?
AdE: Eigentlich proben wir fast nie. Einen neuen Titel proben wir z.B. 30 Minuten vor dem Gig, ausser es ist ein kompliziertes Arrangement, da brauchen wir etwas länger. Wir kennen uns, mit Hämi spiele ich nun schon zehn Jahre zusammen und mit Elmar sind es auch schon acht Jahre. Die Chemie stimmt einfach und wir verstehen uns musikalisch und persönlich sehr gut.

JNM: Wie komponierst du, wie entstehen deine Songs? Nehmen wir z.B. “Children of Gomorra” (ebenfalls auf der neuen CD).
AdE: Dieses Stück ist dem Autor Roberto Saviano gewidmet. Sein Buch “Camorra” setzt sich mit der Mafiosen Welt Neapels auseinander. Seit er diese Buch geschrieben hat, lebt er versteckt und kann nur noch mit Bodyguards in die Öffentlichkeit. Ich habe als Kind solche Quartiere in Neapel gekannt und die Erinnerungen sind in mir immer noch vor Augen. Das Stück beginnt ja wie ein Kinderlied, welches dann immer wirrer und verstrickter wird. Leben und Hoffnung sind jedoch die Kernaussage.

JNM: Welchen Rat gibst du als Musikpädagoge deinen Schülern, wenn sie Jazzmusiker werden wollen?
Ade: Lass das! Nein, im Ernst, es gibt keinen logischen Grund, Jazzmusiker zu werden. Es ist wie eine Krankheit oder eine Droge. Niemand ist so dumm, freiwillig Jazzmusiker zu werden. Ich brauche auch die Bühne, ohne Auftritte und Kontakt zu den Zuhören kann ich nicht leben.



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